- Продолжительность:
- 04:48
- Формат:
- mp3
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Текст песни "Friedrich Nietzsche — Der tolle Mensch"
Habt ihr nicht von jenem tollen Menschen geh?rt, der am hellen Vormittage eine Laterne anz?ndete, auf den Markt lief und unaufh?rlich schrie: «Ich suche Gott! Ich suche Gott!»? Da dort gerade viele von denen zusammen standen, welche nicht an Gott glaubten, so erregte er ein gro?es Gel?chter. «Ist er denn verloren gegangen?» — sagte der eine. «Hat er sich verlaufen wie ein Kind?» — sagte der andere. «Oder h?lt er sich versteckt? F?rchtet er sich vor uns? Ist er zu Schiff gegangen? ausgewandert?» — so schrien und lachten sie durcheinander.
Der tolle Mensch sprang mitten unter sie und durchbohrte sie mit seinen Blicken. «Wohin ist Gott?» rief er, «ich will es euch sagen! Wir haben ihn get?tet — ihr und ich! Wir alle sind seine M?rder! Aber wie haben wir das gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was taten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun?
Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? St?rzen wir nicht fortw?hrend? Und r?ckw?rts, seitw?rts, vorw?rts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht k?lter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht?
M?ssen nicht Laternen am Vormittage angez?ndet werden? H?ren wir noch nichts von dem L?rm der Totengr?ber, welche Gott begraben?
Riechen wir noch nichts von der g?ttlichen Verwesung? — auch G?tter verwesen!
Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn get?tet!
Wie tr?sten wir uns, die M?rder aller M?rder?
Das Heiligste und M?chtigste, was die Welt bisher besa?, es ist unter unseren Messern verblutet — wer wischt dieses Blut von uns ab? Mit welchem Wasser k?nnten wir uns reinigen? Welche S?hnefeiern, welche heiligen Spiele werden wir erfinden m?ssen?
Ist nicht die Gre dieser Tat zu gro? f?r uns? M?ssen wir nicht selber zu G?ttern werden, um nur ihrer w?rdig zu erscheinen? Es gab nie eine grere Tat — und wer nun immer nach uns geboren wird, geh?rt um dieser Tat willen in eine h?here Geschichte, als alle Geschichte bisher war!»
Hier schwieg der tolle Mensch und sah wieder seine Zuh?rer an: auch sie schwiegen und blickten befremdet auf ihn. Endlich warf er seine Laterne auf den Boden, dass sie in St?cke sprang und erlosch. «Ich komme zu fr?h», sagte er dann, «ich bin noch nicht an der Zeit.
Dies ungeheure Ereignis ist noch unterwegs und wandert — es ist noch nicht bis zu den Ohren der Menschen gedrungen. Blitz und Donner brauchen Zeit, das Licht der Gestirne braucht Zeit, Taten brauchen Zeit, auch nachdem sie getan sind, um gesehen und geh?rt zu werden. Diese Tat ist ihnen immer noch ferner als die fernsten Gestirne — und doch haben sie dieselbe getan!» — Man erz?hlt noch, dass der tolle Mensch desselbigen Tages in verschiedenen Kirchen eingedrungen sei und darin sein Requiem «Aeternam deo» angestimmt habe. Hinausgef?hrt und zur Rede gesetzt, habe er immer nur dies entgegnet: «Was sind denn diese Kirchen noch, wenn sie nicht die Gr?fte und die Grabm?ler Gottes sind?»